Guten Abend, meine Lieben (zumindest ist es das hier, ich hoffe ihr schlaft gut!).
Heute waren wir den ganzen Tag in den beiden anderen „Casas Hogares“, ein Jungenhaus und ein Mädchenhaus :) Es war ein cooler Tag, auch wenn er relativ anstrengend war.
Die beiden Häuser befinden sich in dem Viertel Rímac. Lima ist in viele Viertel geteilt, die sogenannten „distritos“, die jeweils nochmal in „cuadros“ unterteilt sind. Rímac ist ein armes Viertel und das hat man auch gesehen. Es war schon sehr komisch dadurch zu gehen und zu sehen, wo man sich hier befindet. Das fällt einem aber generell sehr schwer, sich das alles vorzustellen. Also, dass man wirklich hier ist und dass es solche Verhältnisse hier gibt, und zwar nicht selten. Und dass man genau da arbeitet, wo andere Leute einen vor warnen und dass Kinder auf der Straße arbeiten und Sachen verkaufen und all sowas.. Das realisiert man einfach so wenig, ich kann es auch nicht wirklich erklären. Dazu etwas für meinen Spanischkurs (und natürlich alle Anderen): In dem Film „Quiero Ser“ haben die Jungs immer im Bus gesungen und mit einer Glasflasche und einer Münze „Musik“ dazu gemacht. So etwas Ähnliches hab ich jetzt hier auch gesehen, ein Mädchen, das bei uns im Bus war und auf einer Konservendose Musik mit einem Kamm gemacht und dazu gesungen hat.. Es ist genauso wie in dem Film gewesen, und ich weiß noch, als wir damals in dem Klassenraum saßen und das alles so weit weg war. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass es so etwas irgendwo gibt und dann geh ich hier durch Lima und sehe genau das?! Das ist unvorstellbar, ich kann es auch so schlecht erklären, wie man sich dabei fühlt..
Nunja, in dem Jungenhaus sind wir dann erst auf einen Fußballplatz gegangen (durch ziemlich viele Slums..) und die Jungs haben ein wenig gezockt, die Mädchen wurden nicht gefragt, wir wurden direkt auf die Tribüne verfrachtet :D Die Jungs sind alle ziemlich cool drauf und haben ein richtig enges Verhältnis zu Florian, der Freiwillige, der jetzt da ist und am Samstag abreist. Man merkt, welche Rolle wir als Freiwillige hier einnehmen. Es ist sehr wichtig für die Kids, weil wir auf deren Ebene stehen, dadurch, dass wir so jung sind und ihnen viel näher stehen als die Erwachsenen und als Freunde angesehen werden!
Danach sind wir wieder ins casa gegangen und haben da endlos lange Monopoly gezockt, wobei wir alle haushoch verloren haben, außer natürlich der Junge aus dem casa, der mitgespielt hat. Ich glaube ich kenne niemanden, der je so viel Monopoly-Geld in der Hand hatte (wobei sie das Geld selbst aus Pappstücken gemacht haben) ;)
Dann haben wir gemeinsam gegessen, es gab Reis mit Kartoffelstücken und Huhn. Danach sind wir dann in das Mädchenhaus gefahren, mit „motos“, das sind Motorräder, die hinten eine Kabine haben, wo man sich reinsetzen kann, es war mega witzig, aber ich hatte Angst, dass sich dieses Ding auf dem Weg entzweit! Ich werde sicherlich noch ein Foto davon machen, aber auch von den heutigen casas z.B habe ich leider keine machen können. Den Fotoapparat da rauszuholen und einfach zu knipsen kommt nicht so gut (vor allem nicht in solchen Vierteln) .. Aber wenn jeder dann seine feste Stelle hat, werden ganz viele Fotos gemacht :)
Im Mädchenhaus wurden Laura und ich dann relativ stürmisch begrüßt und die chicas haben sich gefreut! Das Haus ist sehr groß und ich musste lachen, weil alles rosa ist und überall Poster von Justin Bieber und so hängen (in den Schlafräumen), sehr witzig ;) Die Mädels sind alle so um die 14 Jahre alt und das merkt man sehr, überall Gekicher und total die verrückten Hühner, aber sie haben uns schon gesagt, dass man sich daran gewöhnt ;)
Laura und ich haben dann ein wenig bei den Englischhausaufgaben geholfen und uns mit den chicas unterhalten, es war eigentlich das erste Mal, dass ich richtig Spanisch gesprochen habe und es hat ganz gut geklappt. Das eine Mädchen meinte auch ich hätte gut in der Schule gelernt ;) Verstehen tue ich viel, nur manchmal reden die alle so unglaublich schnell, dann fällt es etwas schwer, aber das kommt mit der Zeit!
Die chicas waren alle sehr offen und ich denke es würde mir Spaß machen dort zu arbeiten, vor allem weil wir uns Mittwoch entscheiden müssen.. Ich denke für die zwei Jungs von uns wäre es schon cool in den Jungshäusern zu sein, die chicos dort finden das mit Sicherheit auch sehr cool ;) Aber wir Mädels können auch dorthin, nur die Jungs dürfen (oder sollten) nicht in das Mädchenhaus, weil einige der chicas auch Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben und generell nur mit Frauen zusammen sind, sowohl in dem Heim, als auch in der Schule. Dazu kurz: Man merkt den Kindern überhaupt nicht an, was sie erlebt haben, egal in welchem casa, die sind alle so lustig drauf und aufgeweckt und es kommt einem Vieles irgendwie „normal“ vor, obwohl man weiß, wo man sich da befindet.
Dann bliebe da noch die Arbeit im Gefängnis, über die wir leider fast gar nichts wissen.. Morgen gehen wir mit ehemaligen Insassen in die Sierra, aber das sagt uns auch nicht sehr viel über das Projekt, was sehr schade ist, denn dann wird einer von uns (wahrscheinlich entweder Laura oder ich) ins kalte Wasser geschmissen. Wir wissen nur, dass man in dem Gefängnis vor allem übersetzen und vermitteln muss zwischen den Insassen und den Wärtern, da die Insassen dort kein Spanisch können. Oft gibt man dann Spanisch-Kurse, und die Arbeit besteht auch viel aus Zuhören und Dasein, was für meinen Berufswunsch ja nicht gerade falsch sein kann :) Mal sehen, wie es Mittwoch läuft, dann treffen wir uns mit Mónica und den Anderen und entscheiden wer wo wann arbeitet!
Gerade war ich dann noch mit Friedrich in einem Einkaufszentrum um Karten für das „Essens-Festival“ zu kaufen.. Dafür standen wir erstmal 50 Minuten an, obwohl die Schlange gar nicht lang war, nunja, aber wir haben jetzt Karten für den 16ten September :)
Ich glaube ich habe auch noch gar nicht erzählt, wie das „Street-Cooking“ hier war, oder?! Es gab so viele leckere Sachen und ich habe Nudeln mit Cordon Bleu aus Hähnchen gegessen, und Laura z.B. hatte irgendwelche Innereien, die wir dann natürlich alle probiert haben und die gar nicht so schlecht geschmeckt haben, aber mit dem Wissen, dass es Innereien sind, dann doch etwas komisch ;)
Ja sonst gibt es für heute nur noch eine Sache zu erzählen: Auf dem Rückweg nach Hause im Bus saß ich neben einem Mann, der mich irgendwann angequatscht hat und gefragt hat, was wir hier machen etc. Dann haben wir uns unterhalten und er meinte er sei Lehrer (er sah auch so aus) und dann fragte er mich nach meiner E-Mail. Dann hat er Blatt und Stift rausgeholt und ich habe gesagt, er solle doch einfach seine Mail aufschreiben, aber er wollte meine auch haben, aber ich hab ihm dann einfach eine Falsche gegeben :D Man weiß ja nie..
Nunja, sonst freue ich mich morgen aufs Wandern, wir müssen zwar früh aufstehen, aber es wird WARM dort, wo wir hingehen, juhuu :) Heute war es wieder so eiskalt, aber wir haben gerade einen Mechanismus für warmes Wasser entwickelt, das probiere ich jetzt gleich nochmal eben aus!
Ich melde mich dann morgen wieder, wenn der anstrengende Tag vorbei ist und ich sicher über eindrucksvolle Fotos aus den Höhen Limas verfüge :)
Ich küsse Euch :** ♥
| Chili's :) |
| American Sandwich! |
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