Lima

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Sonntag, 9. Oktober 2011

50/50

Nachdem der Samstag relativ ruhig mit einer 40-minütigen Joggingrunde und einem leckeren Frühstück begonnen hatte, sind wir 3 zum Starbucks gestartet, wo wir dann ein wenig das Internet genutzt haben :)
Dann stand für Laura und mich das Krankenhaus an.. Jaa.
Das waren 2 Stunden voller Schmerz, voller Leid und voller Hoffnungslosigkeit. Wie das immer ist, wenn man die Schwelle dieses Krankenhauses übertritt. Meine Gedanken werden schwarz, nichts macht mehr Sinn und das Glück verschwindet. Vielleicht fühlt es sich so an, wenn man von einem Dementor geküsst wird, ich musste ironischerweise an diese Situation aus Harry Potter denken..
Alex geht es schlecht, heute ging es ihm noch schlechter als die letzten Tage, gestern zum Beispiel war ich auch dort und da ging es ihm einigermaßen gut, nur sein Husten macht ihm immer zu schaffen.
Aber heute.. Er konnte nicht reden, hat vor sich hin gehustet und geröchelt und war einfach müde und kaputt. Er lag dort, die Schmerzen standen ihm ins Gesicht geschrieben und hat um Medikamente gebeten. Die Krankenschwestern konnten ihm nur keine gebe, da er seine Dosis für den Tag schon bekommen hat und sein Herz sonst auf Dauer darunter leiden würde, wenn er so viel Medizin bekommen würde.
Denn sie müssen ihn aufpäppeln, für die Operation. Er sagte heute sie werden ihn bald operieren und die Chance, dass er überlebt liegt bei 50%, fifty-fifty. Aber ist das Glas nun halb voll oder halb leer? 50%? Die Hälfte wovon? Ist es die Chance zu überleben oder die Möglichkeit zu sterben? Macht es überhaupt einen Unterschied, ob man so oder so denkt? Ich weiß es nicht. Ich wusste gar nicht, was ich in diesem Moment gedacht habe. Ich habe schließlich nur zu Laura gesagt, dass ich kurz an die frische Luft gehe. Ich musste kurz wieder ein wenig „Glück“ tanken, ein wenig bunte Gedanken haben, ein wenig durchatmen.. Zwischen all den kranken Menschen, dieser Atmosphäre, diesen Gedanken zwischen Leben und Tod, da wird einem manchmal anders.
Diese 2 Stunden wollten nicht vergehen, die Zeit bleibt irgendwie still stehen, und das nicht im positiven Sinne. Man sitzt dort, weiß nicht, was man machen soll, während man die Menschen, vor allem Alex, leiden sieht, vor sich hin vegetieren sieht, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass er nur eine 50%ige Chance hat. Ich weiß nicht, manchmal sind 50% viel, aber in diesem Zusammenhang kommen sie mir verdammt wenig vor, wenn ich ehrlich bin.
Nach diesen 2 Stunden, wieder an der frischen Luft, bleibt nicht viel zu sagen. Man denkt so vor sich hin, an alles und an nichts, an viele Sachen, die vielleicht keinen Sinn machen, an Gerechtigkeit, an Hoffnung, an die Bedeutung all dieser Dinge, die man dort mitbekommt.. Denn im Grunde sind es nicht Dinge, die man „erlebt“, man macht nichts, es sind Worte, es sind Augenblicke, es sind Momente, die man „nur“ mitbekommt, die an einem vorbeiziehen. Keine wirklichen Taten, keine Erlebnisse von einem selbst.. Manchmal nur Taten von anderen, Meinungen von Anderen (z.B. Ärzten), die einfach eine große Wirkung auf die eigenen Gedanken und Gefühle haben und sie sehr beeinflussen.
Ich weiß auch gar nicht, was ich sagen will, meine Gedanken schwirren etwas durcheinander, weshalb das hier alles womöglich gerade auch nicht viel Sinn macht.. Deshalb gehe ich mal weiter im Tagesablauf, denn er war ja erst halb rum, 50%!
Als wir nach Hause kamen, waren wir noch ein wenig am PC und haben ein paar Sachen gemacht und danach sind wir zu dritt in eine Pizzeria gegangen, die uns die ehemaligen Freiwilligen empfohlen haben! Es war sehr lecker dort :) Danach haben wir uns noch ein Eis gegönnt und uns dann gefragt, was wir machen sollen. Schließlich ist es Samstagabend und erst kurz vor 9! ;)
Also wollten wir irgendwohin. Die Frage ist, wohin? Tjah, wir wärs mit einem Abenteuer, also sind wir in irgendeinen Bus gestiegen, von dem wir keine Ahnung hatten wohin er fährt und sind einfach mal gefahren :D Ich fand das ziemlich cool, wir sind dann in „Magdalena del Mar“ gelandet, ein anderes Stadtviertel, wo wir ein bisschen rumgelaufen sind und uns die Straßen angeschaut haben :)
Danach sind wir wieder zurückgefahren und haben uns auf den Heimweg gemacht. Es war kein langer Ausflug, aber ein netter Spontantrip :) Außerdem kam uns da die Idee, dass wir mal ein Experiment starten und einfach in einem Bus anfangen und sagen, er soll uns so weit birngen, wie es für 1 Sol geht und ab da dann in den nächsten Bus und so weiter. Fand ich sehr cool, ich hoffe wir setzen das mal um.. ;)
Jetzt sitze ich hier im Bettchen und schreibe meinen Blogeintrag und merke, er ist sehr kontrovers. Zur Hälfte gut, zur Hälfte schlecht, wenn man es vielleicht ganz banal sagt, 50/50, fifty-fifty! Aber ist das Glas nun halb leer oder halb voll? War der Tag im Endeffekt nun gelungen oder nicht? Halb voll, was sonst :) Anders kommt man hier auch nicht durch, meine Lieben :)
Also verabschiede ich mich von einem Tag, der an sich nicht ereignisreich war, aber doch zum Denken angeregt habt, wie ihr merkt. Lasst euer Glas immer halb voll sein, manchmal sorgt alleine diese Einstellung dafür, dass 50% oft mehr sind, als man manchmal glaubt :)

2 Kommentare:

  1. Der gefällt mir besonders gut. Sehr schön geschrieben Jennylein. Ich vermisse dich und finde deine halb voll Einstellng super :)

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  2. Dankeschön:) Werde jetzt auch gleich wieder mal deinen Blog und deine Bilder checken:)!! Vermiss dich auch!

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