Lima

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Montag, 14. Mai 2012

"Und was macht die Arbeit so?"

Ja, ich wollte euch mal ein wenig von meiner letzten Arbeitswoche berichten :)
Also, eigentlich war alles sehr ruhig, ich habe allerdings diese Woche öfter mal früher angefangen zu arbeiten, vor allem weil unsere Sozialarbeiterin momentan im Urlaub ist und Cinthia, die Leiterin Sachen erledigen musste und ich dann mit den chicas alleine war.
Als ich im Dezember das erste Mal alleine mit den Teufeln war, weiß ich noch, endete es in einer Katastrophe, deshalb bin ich immer noch vorsichtig, aber es klappt inzwischen wirklich problemlos und super! Natürlich merkt man immer noch, dass sie es versuchen in bestimmten Situationen auszunutzen, aber das ist ja auch "verständlich" ;)
Mittwoch habe ich mich dann um 9 Uhr mit Laura und Paola bei der Schule getroffen, weil wir in deiner "Grundschulklasse" wäre das in Deutschland, eine Stund gestaltet haben quasi. Es ist so, dass jede Klasse an dieser Schule ein Heft besitzt, das von CEDRO entwickelt worden ist und in dem verschiedene Themen abseits des Unterrichts bearbeitet werden, z.B. Drogen, Gesundheit, persönliche Kompetenzen, etc..
Dazu werden dann je nach Alter entsprechende Aufgaben bearbeitet, um das Thema zu behandeln. Dieses Mal hatten wir das Thema "sozialer Druck" und haben dazu verschieden Bilder ausgemalt und geklebt und einige Spiele gemacht. Mir gefällt dir Arbeit in der Schule ("colegio") gut, allerdings hatten wir selbst zu dritt Probleme diese Klasse unter Kontrolle zu halten. Sie hatten sehr viele Probleme sich zu konzentrieren, wollten ständig raus und haben dazwischengeredet und nicht zugehört. Das hat alles etwas schwierig gemacht, aber das gehört auch dazu ;) Nächsten Mittwoch werden Laura und ich diese Session wohl noch zu Ende führen und ich hoffe, dass wir jetzt einmal die Woche auch in anderen Klassen arbeiten, es ist für morgens eine gute Abwechslung :)
Am Nachmittag bin ich noch mit 2 chicas Kostüme ausleihen gefahren, denn am Samstag sollte ein Musikfestival stattfinden, organisiert von dem Lehrer, der bei uns mit den chicas Instrumente spielt und mit ihnen einen "Saya" einstudiert hat, einen berühmten, typischen peruanischen Tanz. Dazu spielen die chicas dann selbst auf dem Cajón und dem Bombo mit :)
Und da es ein typischer Tanz ist, mussten natürlich auch die typischen Kostüme her :) Bilder seht ihr unten!
Am Donnerstag hatten wir dann ein Treffen mit 5 Müttern (oder Tanten) von den chicas zum "Día de la madre", dem Muttertag. Kurzer Einschub: Der wird hier so gefeiert wie Weihnachten. Also vergessen kann man den hier garantiert nicht! Überall (!!) in der Stadt wird Werbung gemacht, jeder Laden hängt unendlich viele Schilder und Plakate aus mit Angeboten, es werde unzählige Artikel speziell zum Muttertag gekauft, in jeder Schule werde riesige Aufführungen mit aufwändigen Kostümen vorbereitet, es wird gebastelt und gemalt und die Mütter werden zum Essen eingeladen!
Es ist wirklich unglaublich. Man wird beinah erschlagen ;)
Naja, auf jeden Fall wurden dann auch bei uns die Mütter oder Tanten eingeladen, wir haben ein wenig über bestimmte Themen gesprochen, die in der Familie wichtig sind, oder eben auch für die Mütter, wenn ihre Mädchen eines Tages wieder aus dem casa nach Hause kommen.. Diese kurzen Themen haben Cinthia und die Psychologin Milena vorbereitet. Danach haben die chicas etwas vorgeführt und es gab einen kleinen Snack für die Mütter und alle haben selbstgemacht Armbänder geschenkt bekommen - ich auch :) Die haben sie in ihrem "Handwerker-Workshop" gemacht, der immer montags stattfindet!
Es war ein netter Nachmittag, aber auch ein wenig traurig. Einige chicas weinten, weil ihre Mütter nicht kommen konnten, oder sie gar keinen Kontakt zu ihnen haben. Auch heute, am Muttertag selbst sind glaube ich nur 3 chicas im casa, der Rest ist bei seiner Familie. So wie an Weihnachten. Solche Feste oder Tage bringen dann eben oft auch Traurigkeit mit sich, wenn man daran erinnert wird, dass man solche eigentlich in der Familie verbringt, aber in dem Moment nicht bei ihnen sein kann..
An diesem Tag und auch am Freitag war ich wieder mit den chicas alleine, aber es war alles super und Freitag hatte ich auch die Unterstützung von Daniel und Xiomi, beides sind Studenten, die momentan ihr Studium zum/r Sozialarbeiter(in) machen! Sie sind so alt wie ich, Xiomi ist sogar erst 18 glaube ich und studiert schon ihr 3tes Jahr! Das muss man sich mal vorstellen ;)
Schule hört hier mit 16 auf und sie hat sogar ein Jahr früher ihren Abschluss gemacht und dann direkt angefangen zu studieren, wie es hier auch üblich ist!
Auf jeden Fall sind die beiden jetzt 3 Tage die Woche (Montag, Mittwoch, Freitag) auch im casa, weil sie dort ein einjähriges Praktikum machen, vom Studium aus! Xiomi hat mir erzählt, dass sie jedes Jahr Praktika haben und ich hatte das Gefühl, dass das Studium viel praxisorientierter ist als in Deutschland, fand ich gut!
Die Beiden sind auf jeden Fall super nett und wir unterhalten uns immer über interessante Themen, wie den 2ten Weltkrieg, kulturelle Unterschiede, Einwanderer etc. ;)
Gestern, am Samstag bin ich dann relativ früh ins casa gefahren um die chicas mit ihren Instrumenten abzuholen und zum "Campo de Marte" zu fahren, wo das Festival stattfinden sollte. Das ist ein großer Park, durch den wir dann auch 40 Minuten gelaufen sind, bis wir entdeckt haben, dass es auf der gegenüberliegenden Seite stattfindet. Hätte man uns auch sagen können, aber wozu :D
Als wir da ankamen, so gegen halb 3 fand noch nicht wirklich viel statt (Es sollte um 2 anfangen), aber wir sind ja auch in Peru, das heißt man sollte die "hora peruana" (peruanische Stunde) berücksichtigen, d.h. eine halbe Stunde Verspätung ist völlig normal!
Ich musste allerdings mit den chicas spätestens um halb 6 wieder weg und als wir dann schon 2 Stunden warteten, wurde ich ungeduldig und etwas genervt von dieser "hora peruana", die nämlich schon deutlich überzogen wurde. Aber ich kann mich da generell nicht so dran gewöhnen, meine "deutsche" Pünktlichkeit habe ich mir bei all der Gelassenheit hier doch bewahrt.. Und das ist auch gut so ;) Auf jeden Fall durften wir dann um 5 Uhr auch eeeeendlich anfangen zu spielen und zu tanzen und natürlich waren die chicas absolut nicht zufrieden mit ihrer Aufführung, aber ich und alle anderen fanden es super :)
Trotzdem war der ganze Tag etwas sinnlos, weil er zu 80% aus Warten bestand. Nunja, ich kam dann auch relativ spät nach Hause, da der Verkehr abends dann auch immer noch schrecklicher ist als sonst.
Dann stand die "Abschlussfeier" von einem peruanischen Freund, Deyvi, an, der nach Deutschland fliegt. Leider wusste keiner was und wo und mit wem und wie wir was machen oder uns treffen :D Genial!
Im Endeffekt, nach viel Gerede, Gesuche und Chaos landeten wir dann aber doch als geschlossene Gruppe in Miraflores in einer der berühmtesten Schwulendiscos! :D Es war ein ziemlich witziger Abend und eine lange Nacht und ich war froh, als ich dann um 6 Uhr morgens auch endlich im Bett lag! ;)
So, jetzt habe ich auch genug geschrieben, ich wünsche euch einen wundervollen Start in die Woche! Hier noch ein paar Bilder vom Auftritt! :)

Wir irren durch den Park

Ein wenig einspielen..

.. und warten


Oben: Ich, Laura, Paola, Connie. Unten: Danitza und Frank

Yuri und Danitza

Typische peruanische Tänze wurden vorgeführt



Das Jungscasa aus "La Victoria" fängt an :)

Es folgen die chicas mit ihren hübschen Kostümen :)

Und das Jungscasa aus "Rímac" beendet die Vorstellung :)

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