.. so heißt das Gefängnis, in dem ich arbeite und ich wollte euch mal ein wenig darüber erzählen. Was mir eben so einfällt ;)
Also wenn ich jemandem erzähle, dass ich dort arbeite kommt jedes Mal die gleiche Reaktion „Waaaaaaas? Nein, boah, krass“ So nach dem Motto. Das Gefängnis ist allseits bekannt und dort hocken viele Leute, die sehr viel Schlimmes getan haben und es auch immer wieder tun würden. Dann sage ich, dass ich mit den Ausländern arbeite und die Leute beruhigen sich wieder einigermaßen ;) Denn bekannt sind dort die Einheimischen für ihre Taten, in dem „Ausländertrakt“ hingegen ist es wirklich sehr ruhig.
Hinzu kommt, dass das Gefängnis in Callao liegt. Wenn man die Leute nach dem gefährlichsten Stadtteil fragt, sagt jeder Callao. Dazu ein Zitat von Mónica „Das Gefängnis ist für mich der sicherste Ort in ganz Lima“ und das ist eigentlich auch so, man sollte nur eben nicht unbedingt auf den Straßen Callaos rumlaufen. Jedes Mal, wenn ich im Bus oder Taxi sitze und auf dem Weg zum oder vom penal bin, sehe ich das Ghetto. Und es ist wirklich ein Ghetto, alles ist dreckig, es stinkt und überall liegt Müll. Die Häuser sind heruntergekommen und ich bin froh, dass ich nie dort hergehen muss, da ich immer quasi von Haustür (penal) zu Haustür (zu Hause) fahre und das auch immer mit Anderen, um euch zu beruhigen ;)
Ja, also Sarita Colonia, es ist irgendwie mehr Schein als Sein, hab ich manchmal das Gefühl. Im Moment kriege ich noch nicht so viele Geschichten mit, nur immer über ein paar Ecken und wenn ich da bin, dann sieht die Welt dort eigentlich doch sehr in Ordnung aus. Es ist offen, man kann Filme schauen, die Leute laufen frei rum, es gibt leckeres Essen..
Und trotzdem, wenn man hinter die Kulissen schaut, sich mit den Leuten unterhält und so manches erfährt, was dort passiert.. Dann ist das keine Welt mehr, die in Ordnung ist.
Dann geht es um Geld. Denn diejenigen, die Geld haben, denen geht es gut. Die haben Handys (oder Iphone 4s), Internet und Zellen mit richtigen Betten und Duschen. Die können sich jedes Essen leisten und auch sonst eben alles, was sie wollen.
Diejenigen, die kein Geld haben, die schlafen auf den Böden, in den Gängen, dort wo sie Platz für sich finden, die kriegen jeden Tag Essen aus riesigen Töpfen, welches wahrscheinlich nicht das Beste ist.. Die können sich keinen Anwalt leisten oder für was man sonst so bezahlen muss. Das heißt für so ziemlich alles. Alles kostet Geld. Und diejenigen, die nichts haben, die haben wirklich nichts!
Korruption ist auch ein großes Thema. Die Wächter bestechen und lassen sich bestechen. Man zahlt ihnen was und schon bekommt man alles von draußen, was man will. In dem Sektor, in dem ich arbeite sind glaube ich ca. 80% drogenabhängig und können dies aber auch voll ausleben.
Wie gesagt, es geht um Geld. Wer Geld hat, kann sich alles kaufen, auch Drogen.
Was macht man dagegen hat mich mal jemand gefragt. Was will man da machen? Man kann „zusehen“, es sich anhören und den Kopf schütteln, aber dagegen was unternehmen, kann man nicht wirklich.
Im Moment ist es wie gesagt auch so, dass ich noch nicht so viel mitbekommen, habe ich das Gefühl. Ich erfahre viel von Christoph und David, die eine größere Rolle spielen. Aber mit der Zeit, werde auch ich (und Laura auch) mehr erfahren und auch mehr Aufgaben bekommen. Christoph geht in einer Woche und meinte heute zu mir, erst jetzt in den letzten 2 Wochen hat sich das alles so eingependelt, dass man Kontakte hat, dass man einen Plan hat, bestimmte Aufgaben, weiß wie was läuft. So wird es sicher auch bei uns sein, man muss sich einleben, den Ort und die Leute kennenlernen, wissen, wer wie tickt und mit wem man sich unterhalten muss um das oder das herauszufinden. Aber ich freue mich auf die Arbeit dort und sie macht mir jetzt auch Spaß, obwohl es noch nicht viel zu tun ist. Ich denke, wenn das so kommt, werde ich es noch besser finden. Vielleicht ist es dann auch mit mehr Stress verbunden, aber dann hat man auch eine Aufgabe und hängt mehr in der Sache drin :)
Heute habe ich das Dartspielen im penal für mich entdeckt :D Naja, nicht wirklich, aber ich fands gar nicht schlecht, weil ich ganz gut war und wenn man gewinnt macht etwas ja immer mehr Spaß ;)
Sonst gibt es zum penal glaube ich nichts mehr zu sagen. Das schwirrte mir nur heute im Kopf herum und ich wollte es mal zu „Papier“ bringen ;)
Morgen treffen wir uns um 19 Uhr mit einer Freundin von Francisco, die mit uns die Familien besuchen geht, ich bin sehr gespannt, denn es kann sein, dass wir Ende dieser Woche nicht mehr hier wohnen. Das muss man sich mal vorstellen? Wo eine Woche doch auch immer so schnell vorbeigeht. Und in der müssen wir unser Leben nochmal zusammenpacken in den Rucksack und woandershin tragen ;)
Und die Möbel auch ! :D
Ich bin sehr gespannt auf morgen, wenn man eine Familie besucht, das Haus sieht mit dem Gedanken „Hier wohne ich vielleicht die nächsten 10 Monate“ ist das schon sehr komisch.. ;)
Wir werden sehen, ich werde euch dann berichten, wie es aussieht mit der Wohnsituation und hoffe, dass die Woche nicht allzu stressig wird!
Euch gehts hoffentlich allen gut! Ich freue mich immer über Kommentare, also tut euch keinen Zwang an :)
Küsse aus Lima:*
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